Die Missionarinnen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage engagieren sich ehrenamtlich in Wittlage. Ihr Besuch bei der "Wittlager Mahlzeit" zeigt, wie internationale Kontakte das soziale Leben vor Ort bereichern.
Die "Wittlager Mahlzeit" jeweils mittwochs im DRK-Sozialzentrum ist ein Ort der Begegnung. Dies ist den Abgesandten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, besser bekannt als Kirche der Mormonen in den USA, in der Außenstelle in Osnabrück bekannt. Immer zu zweit sind die Missionare unterwegs, freiwillig und unentgeltlich für zwei Jahre. Bislang besuchten sie die "Wittlager Mahlzeit" für einen Zwischenstopp jeweils Zweier-Teams junger Männer, die um 20 Jahre alt sind. Ihre Kleidungsvorschrift ist das weiße Hemd mit Schlips und Sakko, damit unterscheiden sie sich deutlich von ihren Altersgenossen. An ihrem Revers tragen sie ein schwarzes Schild mit der Bezeichnung "Elder", dann folgt der Name des Missionars und die Kirchenbezeichnung. Die jungen Damen führen die Bezeichnung "Sister", was für Schwester steht. Bei den Frauen ist die Oberbekleidung nicht so außergewöhnlich wie bei den jungen Männern im Dienste ihrer Kirche.
In Wittlage und Umgebung haben die Missionare einige Anlaufstellen und Freunde, die auch sonntags zum Gottesdienst der Mormonen nach Osnabrück kommen. In Wittlage wurden sie begleitet von Daniel Dombrowski aus Rabber, der als Soldat der Bundeswehr in Afghanistan diente und in den USA Kontakte zur Kirche der Mormonen knüpfte. Schon vor Ort durfte er die Kirchenorgel der Dreieinigkeitsgemeinde bei passenden Anlässen nutzen und auch bei den mormonischen Gottesdiensten ist sein musikalisches Talent gefragt. Sprachlich geht es gut, weil die Missionare gehalten sind, die deutsche Sprache zu lernen und zu sprechen. Gern kommunizieren sie aber auch in ihrer Landessprache.
Sister Desiree Maurer – der Nachname weist auf die deutsche Abstammung der Vorfahren im Raum Hessen hin – ist 20 Jahre alt und kommt aus Rexburg im Staat Idaho, dort, wo angeblich die leckersten Kartoffeln in ganz Amerika wachsen. Vermutlich ist es der passende Boden für die "Erdäpfel". Desiree hat mehrere Geschwister, in wenigen Wochen kehrt sie zurück in ihr Elternhaus. Die Großeltern betreiben eine größere Kartoffelfarm. Sie hat dann zwei Jahre für ihre Kirche mit dem Stammsitz in Salt Lake City in Deutschland missionarische Arbeit geleistet, unentgeltlich, nur die Wohnung im Kirchenzentrum in Osnabrück ist frei. Ihr Fazit: Die meisten deutschen Staatsbürger waren ihr gegenüber freundlich und tolerant. Doch die Freude auf das Elternhaus ist groß.
Sister Meara Baxter, 19 Jahre alt, stammt aus Elma im Staat Washington und dient missionarisch in Deutschland vom Oktober 2025 bis März 2027. Sie bemüht sich, ihre Sprachkenntnisse noch zu verbessern. Mormonen ist Kaffee, schwarzer Tee, Drogen, Alkohol und Rauchen strikt verboten. Viele Regeln sind zu beachten. In ihrem Rucksack führen sie jeweils das Buch Mormon mit, und die Religion geht auf den Gründer Joseph Smith zurück, der als Jugendlicher eine Art Begegnung mit Jesus Christus in den USA hatte; er wurde später vermutlich wegen seines Glaubens erschossen und gilt als Märtyrer. Missionieren heißt für die Botschafter der Mormonen, Fragen von Interessierten zu beantworten, aber nie Druck auszuüben.
Bei der "Wittlager Mahlzeit" gab es einen leckeren Eintopf und Dessert, dazu Tafelwasser. Eintopf heißt in den Staaten "Stew" oder "Hotpot". Es schmeckte den jungen Damen. Es gab eine Lauch-Käse-Creme-Suppe mit Hackfleisch.
An die Ausgabe-Theke kommen auch Personen, die für Angehörige eine Portion Eintopf abholen, die selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr persönlich teilnehmen können. Für das Sparschwein gibt es meist eine angemessene Geldspende, zusätzlich am Jahresende noch eine größere Spendensumme. Das Angebot spricht viele in der Region an, die sich nicht als Bedürftige fühlen, die im Alter womöglich nur eine geringe Rente erhalten, während früher im Berufsleben noch Provisionen das Gehalt deutlich aufbesserten. Nur in die Rentenkasse wurde oft nicht eingezahlt. So hilft die "Wittlager Mahlzeit" vielen mit einem leckeren Speiseangebot, und für diejenigen, die vor Ort teilnehmen, steht das Beisammensein mit Freunden und Bekannten neben dem Essen oben an.
Text und Fotos: Eckhard Grönemeyer


